Kriegerdenkmal Germania
Kriegerdenkmal „Germania“
Ort: Auf dem Friedensplatz bei der evangelischen Kirche
Baujahr: 1892
Baumeister: Gottfried Renn aus Speyer
Widmung: Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71
Letzte Restaurierung: 2026
Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71
Das Kriegerdenkmal vor dem Seiteneingang der evangelischen Kirche wurde 1892 nach einem Entwurf des Speyerer Bildhauers Gottfried Renn errichtet. Es erinnert an die 61 Männer aus Neuhofen, die am Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 teilnahmen. Sechzehn von ihnen kehrten nicht in ihre Heimat zurück.
Die lebensgroße Figur der Germania blickt nach Westen - in Richtung Frankreich, wo die Kriegsschauplätze lagen. Als Sinnbild der deutschen Nation war die Germania im Deutschen Kaiserreich ein häufig verwendetes Motiv auf Kriegerdenkmälern.
Von der Planung zum Standort
Die Initiative zur Errichtung des Denkmals ging vom Neuhofener Kriegerverein aus. Aus einem Gemeinderatsprotokoll vom 20. November 1887 geht hervor, dass der Verein beim Königlich Bayerischen Bezirksamt in Ludwigshafen die Genehmigung beantragte, das Denkmal auf dem freien Platz vor der 1884 erbauten Schule an der Ecke Hauptstraße/Ludwigshafener Straße (heute Otto-Ditscher-Haus) aufzustellen.
Dieser Standort wurde jedoch verworfen. Ausschlaggebend waren Bedenken hinsichtlich möglicher Verkehrsbehinderungen sowie einer Beeinträchtigung des Lichteinfalls in die neuen Schulräume. Am 26. Februar 1888 entschied der Gemeinderat daher, das Denkmal auf dem Platz an der evangelischen Kirche zu errichten, wo es sich bis heute befindet.
Gestaltung und Erhaltung des Denkmals
Das Denkmal steht auf einem stufenförmigen Sockel. Darüber erhebt sich ein zylinderförmiger Unterbau mit vier Tafeln. Drei Tafeln tragen die Namen der Neuhofener Kriegsteilnehmer, die vierte zeigt das damalige bayerische Staatswappen.
Zu Füßen der Germania sind die Namen wichtiger Kriegsschauplätze eingemeißelt: Weißenburg, Wörth, Sedan, Orléans und Paris. Eine schwarze Marmortafel trägt die Widmung: „Zum Andenken an den siegreichen Feldzug 1870/71 den tapferen Kriegern gewidmet."
Das Denkmal besteht überwiegend aus Haardter Gelbsandstein. Die Figur der Germania wurde aus einem feinkörnigeren, leicht grün/ich gefärbten Gelbsandstein gefertigt. Die Inschriftentafel besteht aus dunklem Granit. Die Inschriften waren zur Zeit der Errichtung vergoldet und hoben sich dadurch deutlich vom Stein ab.
Im Jahr 2026 wurde das Denkmal umfassend restauriert. Dabei wurden Naturstein, Inschrift und Oberflächen fachgerecht instandgesetzt, sodass das Denkmal heute wieder in seinem historischen Erscheinungsbild erlebbar ist.
Vor der Restaurierung zeigte das Denkmal deutliche Witterungs- und Alterungsschäden. Ziel der Maßnahmen war die langfristige Sicherung der historischen Originalsubstanz. Dazu wurde der Naturstein gereinigt und gefestigt, Fehlstellen ergänzt sowie die Wasserableitung verbessert. Alle Arbeiten erfolgten in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege.
Historische Einordnung
Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 endete mit dem Sieg der deutschen Staaten über Frankreich und führte 1871 zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs. In den folgenden Jahrzehnten entstanden in zahlreichen Gemeinden Kriegerdenkmäler. Sie dienten sowohl dem Gedenken an die Kriegsteilnehmer und Gefallenen als auch der Erinnerung an die Reichsgründung und spiegeln das nationale Selbstverständnis ihrer Entstehungszeit wider.
Heute sind diese Denkmäler wichtige historische Zeugnisse. Sie erinnern nicht nur an die Menschen, die am Krieg teilnahmen oder ihr Leben verloren, sondern vermitteln zugleich Einblicke in die Erinnerungskultur und das Geschichtsverständnis des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Vom Triumphzeichen zum Mahnmal für den Frieden
Aus heutiger Perspektive ist dieses Denkmal ein historisches Zeugnis für den damaligen Zeitgeist des Kaiserreichs. Es verbindet nicht nur das kollektive und persönliche Gedenken der Dorfgemeinschaft an die Schicksale der 61 in den Krieg gezogenen Väter und Söhne, sondern transportiert auch den ausgeprägten Nationalismus und Militarismus des späten 19. Jahrhunderts. Die Darstellung der Germania als wehrhafte, herausfordernde Symbolfigur war Teil einer staatlich geförderten Identitätsstiftung des neu gegründeten Deutschen Kaiserreichs, die auf Abgrenzung und Feindbilder setzte.
Heute blicken wir anders nach Westen. Der einst provokante Blick der Germania nach Frankreich hat seine Bedrohlichkeit verloren. Heute, im 21. Jahrhundert, ist Frankreich unser engster europäischer Partner und Freund. Die deutsch-französische Freundschaft ist das Fundament für ein friedliches, vereintes Europa.
Die Sanierung dieses Denkmals im Jahr 2026 dient daher nicht der Verherrlichung alter Kriege, sondern der Bewahrung unserer Geschichte. Es steht heute hier als Mahnmal für den Frieden und als Erinnerung daran, wie wertvoll und zerbrechlich der Frieden zwischen den europäischen Nachbarn ist.
Im Gedenken an die 61 Männer aus Neuhofen, die am Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 teilnahmen:
- BAUER Martin – X. Jäger-Bataillon
- BECHT Adam († 1872) – Infanterie-Leib-Regiment
- BECHT Heinrich – V. Chevaulegers-Regiment
- BECHT Jakob – X. Infanterie-Regiment
- BÖRSTLER Jakob – comb. 29. Landwehr-Bataillon
- BRAUN Johann – II. Artillerie-Regiment
- DIEHLMANN Martin – II. Sanitäts-Kompanie
- EBERENZ Martin – 1. badisches 1. Grenadier-Regiment Nr. 109
- ENGELHARDT Jakob – II. Artillerie-Regiment
- ENGELHARDT Michael († 1888) – IV. Infanterie-Regiment
- FASSOTT Peter – XV. Infanterie-Regiment
- FISCHER Michael II. – X. Jäger-Bataillon
- FISCHER Peter († 1875) – II. Artillerie-Regiment
- FREY Johann – comb. 29. Landwehr-Bataillon
- FREY Martin – Infanterie-Leib-Regiment
- FROMBOLD Johann – V. Jäger-Bataillon
- FROSCH Kaspar – V. Jäger-Bataillon
- GAUL Jakob – II. Artillerie-Regiment
- HAUCK Konrad – V. Infanterie-Regiment
- HAUCK Philipp – IV. Infanterie-Regiment
- HEIDEL Philipp – XV. Infanterie-Regiment
- KALTZ Jakob III. – comb. 29. Landwehr-Bataillon
- KARL Jakob – V. Jäger-Bataillon
- KARPP Joseph – comb. 29. Landwehr-Bataillon
- KAUFMANN Philipp († 1872) – X. Infanterie-Regiment
- KLAMM Caspar († 1884) – IX. Infanterie-Regiment
- KLAMM Christian († 1890) – III. Artillerie-Regiment
- KLAMM Jakob – V. Chevaulegers-Regiment
- KLAMM Johann – 1. Infanterie-Regiment
- KLAMM Martin († 1883) – comb. 29. Landwehr-Bataillon
- KLAMM Philipp († 1881) – XIII. Infanterie-Regiment
- KNOPF August Wilhelm – XI. Infanterie-Regiment
- KRAUS Leon († 1881) – comb. 29. Landwehr-Bataillon
- KRAUSHAAR Georg – 1. Infanterie-Regiment
- KRAUSHAAR Michael († 1886) – Infanterie-Leib-Regiment
- KREUM Philipp († 1871) – hessisches Infanterie-Regiment Nr. 3
- LANDFRIED Jakob († 1870) – V. Chevaulegers-Regiment
- LANGOHR Adam – XV. Infanterie-Regiment
- LENTZ Jakob – X. Jäger-Bataillon
- LENTZ Johann – XIII. Infanterie-Regiment
- MAGIN Joseph – II. Chevaulegers-Regiment
- MÜNCH Andreas – IV. Infanterie-Regiment
- MUNTZ Lorenz – IV. Infanterie-Regiment
- MUTH Konrad († 1875) – comb. 29. Landwehr-Bataillon
- PROVO Philipp – Verpflegungs-Abteilung
- REISINGER Johann – VIII. Infanterie-Regiment
- REPP Johann († 06.08.1870 gef. bei Wörth) – IX. Infanterie-Regiment
- REYER Jakob – IV. Infanterie-Regiment
- RIEDEL Philipp Jakob – IV. Infanterie-Regiment
- SCHEFFEL Jakob – III. Artillerie-Regiment
- SCHULZ Nikolaus – I. Artillerie-Regiment
- STOHNER Martin († 1871) – IV. Infanterie-Regiment
- STOHNER Peter – X. Infanterie-Regiment
- STRIEBINGER Philipp – Gendarm. Brigade Elsass-Lothringen
- STRIEBINGER Valentin IV. – comb. 29. Landwehr-Bataillon
- STRUBEL Konrad – II. Infanterie-Regiment
- STURM Konrad († 1890) – II. Artillerie-Regiment
- STURM Mathias – I. Train-Bataillon
- TUSCHNER Carl – 1. Infanterie-Regiment
- VÖLKER Jakob – comb. 29. Landwehr-Bataillon
- WITTEMANN Johann – V. Chevaulegers-Regiment


