Stolperstein-Verlegung am 18.04.2026 zum Gedenken an Familie David, Meta und Amanda A. Fischer

Ein Zeichen gegen das Vergessen: Zweite Stolperstein-Verlegung in Neuhofen zum Gedenken an David, Meta und Martha A. Fischer

Am 18. April 2026 fand die zweite Verlegung von „Stolpersteinen“ in Neuhofen statt. Diese kleinen, im Boden verankerten Steine erinnern vor dem letzten selbstgewählten Wohnort an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft. Sie dienen als Zeichen des Erinnerns und der Mahnung.

Bewegendes Gedenken

Nach der Begrüßung durch den Beigeordneten André Schlosser gaben Anette Winter und der heutige Hauseigentümer bewegende Einblicke in das Schicksal der Familie Fischer. Währenddessen setzen Peter Frosch und André Schlosser die Steine in den Bürgersteig ein. Zum Abschluss sprach Günter Flory das jüdische Totengebet „El Male Rachamim“. Dieses Gebet, das traditionell zum Gedenken an die Opfer des Holocaust vorgetragen wird, verlieh der Veranstaltung einen würdevollen Ausklang.

Was wissen wir über die Familie Fischer?

Die Recherchen zur Aufklärung ihres Schicksals waren ausgesprochen schwierig. Es gab niemanden mehr, der aus dem Leben der Familie berichten konnte. Das zeigte sich bereits bei der Suche nach den richtigen Vornamen der Frauen, die in der Literatur unterschiedlich überliefert wurden: Mal wurde aus einem D ein T, aus einem A ein E.

Mag das manchem unbedeutend erscheinen – für uns im Stolpersteine-Team war es ein Zeichen dafür, dass es gelungen ist, Erinnerung auszulöschen.

Wir wissen, dass David Fischer Schuhverkäufer war. Wir haben uns gefragt, wie sein Geschäft aussah: Hatte er einen Verkaufsraum in seinem Haus? Oder zog er mit einem Wagen durch den Ort und brachte die Schuhe zu den Menschen? Der heutige Besitzer wusste es. Es gab einen kleinen Verkaufsraum in der unteren Etage.

David Fischer war der Onkel von Julius Fischer, für dessen Familie wir im letzten Jahr die ersten Stolpersteine in Neuhofen verlegt haben.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann auch für Familie Fischer ein schleichender Prozess der Ausgrenzung, Entrechtung und Entwürdigung. Was zunächst mit Einschränkungen im Alltag begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem System der Verfolgung. Rechte wurden aberkannt, die Existenzgrundlagen zerstört.

Aus Nachbarn wurden Ausgestoßene. Aus Mitbürgern wurden Verfolgte.

Ein entscheidender Einschnitt war die Deportation im Rahmen der „Wagner-Bürckel-Aktion“ im Oktober 1940 – am letzten Tag des jüdischen Laubhüttenfestes.

Auch David, Meta und Martha A. Fischer wurden aus ihrer Heimat gerissen und zusammen mit 6.501 jüdischen Bürgerinnen und Bürgern in das Internierungslager Gurs im Süden Frankreichs verschleppt.

Von dieser Deportation gibt es von Meta und Martha ein letztes Foto, aufgenommen in der Maxschule in Ludwigshafen. Die Schule diente als Sammelstelle, und ein unbekannter Fotograf fertigte Aufnahmen an, die heute in dem Bildband „Die Tat im Bild“ zu sehen sind.

In Gurs wurde die Familie auseinandergerissen. Was folgte, war ein Leidensweg ohne Wiederkehr: Hunger, Kälte, Krankheit und Angst bestimmten den Alltag. Frankreich war völlig überfordert mit den vielen Deportierten – es fehlte an allem.

David Fischer, der zum Zeitpunkt der Deportation bereits 70 Jahre alt war, kam vermutlich aufgrund seines Alters in das Sammel- und Durchgangslager Récébédou bei Portet-sur-Garonne. Aufgrund der katastrophalen hygienischen und medizinischen Bedingungen starben dort viele Menschen – so auch David Fischer am 25. Dezember 1941.

Sehr wahrscheinlich wurde er zusammen mit weiteren 256 jüdischen Opfern auf dem Friedhof von Portet-sur-Garonne beerdigt.

Meta Amalie Fischer, 69 Jahre alt, kam ebenfalls zunächst nach Récébédou und anschließend nach Noé. Am 17. August 1942 wurde sie aus dem Internierungslager Camp de Noé entlassen und unter strengen Auflagen nach Romans-sur-Isère gebracht. Dort lebte sie unter behördlicher Überwachung bis zu ihrem Tod am 17. März 1944.

Sie hatte – unter diesen Umständen – Glück: Aufgrund uneinheitlicher Verwaltungsentscheidungen wurde sie nicht in ein Konzentrationslager deportiert.

Martha Amalia Fischer, die Tochter, wurde zunächst nach Récébédou gebracht, dann weiter in das Lager Drancy bei Paris und schließlich in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort starb sie am 31. Dezember 1942.


 

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