Logo des Forstamt Pfälzer Reinauen

Was ist los im Wald?

In dieser Woche werden die Holzerntearbeiten im Gemeindewald beendet. Mancher Waldbesucher hat bei seinem, als friedlichen Frühlingsspaziergang gedachten Gang durch den Wald mit Entsetzen festgestellt, dass der Wald sich verändert hat. Von „Unmöglich!“ bis „da muss wohl eine Bombe eingeschlagen haben!“ waren die Kommentare. Viele haben aber auch Verständnis für die Maßnahmen. Sie wissen und sehen, dass viele Bäume krank oder schon abgestorben sind. Es ist auch nicht zu übersehen, dass immer mehr, am Anfang eher die dünneren Bäume, einfach umfallen, es scheint, als wäre keine Wurzel mehr vorhanden. Meist handelt es sich um Eschen, die an dem so genannten Eschentriebsterben leiden. Ein Pilz, das „falsche weiße Stengelbecherchen“ befällt den Baum an der Krone und der Wurzel. Die Bäume sterben innerhalb kurzer Zeit. Dabei bleibt die Krone meist noch länger erhalten als die Wurzel. Als Folge befallen Käfer das Holz und machen es zusammen mit dem Pilz, der von der Wurzel her eindringt in kurzer Zeit unverwertbar. Sogar als Brennholz taugt es dann nicht mehr viel. Die Eschen stellen im Auewald ca. 40 % aller Waldbäume dar. Die Krankheit kommt im Rheintal von Süden – d.h. weiter südlich, z.B. in der Nähe von Karlsruhe kann man in den Wäldern sehen, wie es wohl bei uns in 2 Jahren aussieht. Die Eschen sterben ab, bleiben als Totholz stehen und fallen bei jeder Gelegenheit in jede mögliche Richtung um. Weil die umstehenden Ahorn mehr Sonne abbekommen, ist auch für sie der Stress groß. Eine neue Krankheit, die Ahornrindenrußkrankheit befällt jetzt den Rest der Bäume. Die Ulme, die eigentlich in die Aue gehört, hat das gleiche Schicksal vor ein paar Jahren erlitten. Bleiben nur noch die wenigen Eichen die zur Auewaldgesellschaft gehören. Sie sind aber wenige und haben schlechte Chancen bei der Verjüngung. Eichen wachsen langsam und die Konkurrenz ist stark. Insbesondere die Zuwanderer die sog. Neophyten, wie das indische Springkraut, die kanadische Goldrute, der Götterbaum usw. setzten sich durch. Um dieses Szenario zu vermeiden hat der Förster zusammen mit den zuständigen Ausschüssen beschlossen, den Wald umzubauen oder wieder neu zu bauen oder aufzuforsten. Es macht sehr viel Sinn, die Eschen vor ihrem Garaus zu nutzen, die Stämme können immerhin noch als Sägeholz in der Möbelindustrie genutzt werden. Das restliche Holz wird zu Brennholz. Mit dem Holzertrag können die Investitionen für die Neuaufforstungen bezahlt werden.

Die Alternative, den Wald sich selbst zu überlassen, hätte viele Nachteile. Das Totholz stellt eine Gefahr für Waldbesucher dar, wahrscheinlich müssten Wege gesperrt werden. Man würde einen enormen Wertverlust in Kauf nehmen. Das in dem Holz gebundene CO2 würde relativ schnell wieder frei gesetzt. Wahrscheinlich würde sich nur eine Baumart gegen die aufwachsenden Neophyten durchsetzen können und das wäre der Bergahorn, der eigentlich nicht in die Aue gehört. Vielleicht gäbe es auch für lange Zeit keinen Wald, da z.B. die kanadische Goldrute einen fast undurchdringbaren Wurzelteppich bildet auf dem kein Baum keimen kann. Es macht mehr Sinn, hier steuernd einzugreifen. Aber keine Angst, nur wo ausschließlich Eschenbäume standen, gab es einen Kahlschlag. Es gibt viele Waldbestände die schon einige Mischbaumarten haben und aus denen nur die kranken Eschen entnommen wurden. Hier, und das sind ca. 90 % der Waldfläche, wird die Natur selber für Nachwuchs sorgen. Die Förster denken in Generationen und sorgen schon jetzt dafür, dass in Zukunft mehr Mischbaumarten und Samenbäume vorhanden sind. Leider kommt durch eine solche Katastrophe die Altersstruktur der Waldbestände durcheinander.

In Waldsee wurden Teile der Waldabteilungen Wörth und Mörscharmel durchforstet, in Otterstadt fanden die Arbeiten hauptsächlich im Angelwald statt

Die Waldarbeiten haben in diesem Jahr sehr spät begonnen. Deshalb hat sich auch die Zuteilung des Brennholzes verzögert. Ausnahmsweise darf deshalb in diesem Jahr bis zum 17.4. Brennholz im Wald aufgearbeitet werden.

Aufgrund des erhöhten Holzanfalles sind noch Restmengen an Brennholz zu erwerben. Wer sein Brennholz günstig mit trockenen Kiefern mischen mag, darf sich gerne beim Förster melden. Auch die Kiefer leidet unter der Trockenheit und stirbt im Schifferstadter und Mutterstadter Wald massiv ab.

Für jegliche Aufarbeitung von Brennholz im Gemeindewald ist ein Nachweis über die Teilnahme an einem Motorsägelehrgang erforderlich.

Aufgrund der Corona-Bestimmungen gibt es im Moment keine Sprechstunden. Rückfragen können gerne per Telefon 06232-6580859 oder Mail: erfolgen.

Durch die massive Entnahme der geschädigten Bäume, verändert sich das gewohnte Waldbild. Die Waldbestände sehen oft aus wie ein „Schlachtfeld“. In all dem scheinbaren Durcheinander wird aber sehr wohl darauf geachtet, dass z.B. die Maschinen immer auf der gleichen Linie (Rückegasse) fahren und möglichst wenig Boden verdichten, es wird darauf geachtet, dass natürliche Waldverjüngung erhalten bleibt und die Wiederaufforstungsflächen werden möglichst schnell wieder bepflanzt. Die Bepflanzung erfolgt mit einer viel größeren Artenvielfalt. Es werden bis zu 9 verschiedene Baumarten auf die Flächen gepflanzt. Förster Spang hofft, dass sich die kleinen Bäumchen tiefere Wurzelräume erschließen (um auch die kommenden, heißen Sommer zu überleben) und durch die vielfältige Mischung widerstandsfähiger gegen Krankheiten werden.

Nach Abschluss der Arbeiten werden die Wege, insbesondere im Wörth in Waldsee, wiederinstandgesetzt.

Georg Spang

Auf dem Bild sehen Sie Förster Spang der bei den gefällten befallenen Eschen auf die Graukerne zeigt.  

Auf dem Bild sehen Sie Förster Spang der bei den gefällten befallenen Eschen auf die Graukerne zeigt.Bild: Durch den Pilzbefall bekommt das helle Eschenholz einen „Graukern“, der den Wert des Holzes mindert.

Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.